Ein (vielleicht sehr altes) Steinbruchrevier in Obermesopotamien,
bei: Koldewey-Gesellsch. (Hg.), Ber. über d. 37. Tag .f. Ausgrabungswissensch.
u. Bauforsch., Duderstadt 1992 (o.0.1994), 41 ff.
Die Freilegung des monumentalen Kultgebäudes
der protoneolithischen Siedlung zu 'Nevali Çori', aus dem
8./7. Jt. v. Chr., zeigte, daß die wichtigsten Bauglieder
aus einem nichtörtlichen Material verfertigt sind. Die Suche
nach dem entsprechenden Vorkommen wurde fündig im Bergland
der sog. Bedirdikmen Daglari, und zwar hier zunächst in zwei
bislang unbekannten, bedeutenden antiken Steinbruchkomplexen,
deren einer vielleicht der hellenistischen, deren anderer vielleicht
der spätrömisch-frühbyzantinischen Epoche angehören
kann; als Bestimmungsort kommt, trotz der Entfernung, jeweils
wohl nur Samosata, Hauptstadt des Reiches Kommagene, in Frage.
Die erstgenannten Brüche überschneiden nun einige viel
ältere Abbauspuren. Gewisse schwache Baureste sowie eine
Häufung von protoneolithischem Kleinfundgut sprechen mit
dafür, hier den gesuchten ältesten Abbauplatz zu erkennen.
Der mutmaßliche Befund dürfte auch insofern von Interesse
sein, als bislang die Kenntnis frühesten und frühen
Steinbruchwesens, speziell für das Gebiet der Megalithik,
relativ faktenarm ist.
Développement Urbanistique de Démétrias,
in: Actes du Coll. Intern. d'Archéol. "La Thessalie. 15 Années
de Recherches (1975-1990)", Lyon 1990 (Athen 1994), II, 57 ff. (mit
komment. Bibliogr.)
Der Siedlungskomplex 'Demetrias', in hervorragender
Hafenposition an einer gutgeschützten Einbuchtung der griechischen
Ägäisküste, nennt sich so nach seiner spektakulärsten
Erscheinungsform, der - fremdbestimmten - Neugründung des
fr. 3. Jh.s v. Chr. Zunächst eine der größten
Festungen des damaligen Altertums, bevölkert durch Zusammenziehung
aller Altgemeinden der betroffenen Landschaft, wird sie dann rasch,
mit den Mitteln des zeitgenössischen Städtebaus, zu
einer Großstadt von überregionaler Bedeutung ausgebaut
- mittelmeerische Basis der makedonischen Antigonidendynastie.
Jüngste archäologische Forschungen, v.a. konzentriert
auf der sog. Pevkákia Maghoúla, haben nachgewiesen,
daß D. nicht nur mittelbare Nachfolgerin altberühmter
Nachbarplätze wie Iolkos und Pagasä ist, sondern in
einer ununterbrochenen örtlichen Siedelkontinuität,
seit dem späten Neolithikum steht. Die relativ kurze Zeit
der eigentlichen Blüte ist von einer bemerkenswerten städtebaulichen
Dynamik geprägt, in welcher sich verschiedenartige ostmittelmeerische
Elemente durchsetzen; D. kann so dem Kreis der 'kosmopolitischen
Kapitalen' des Hellenismus zugerechnet werden. Einem schleichenden
Bedeutungsverlust in römischer Zeit folgt eine Zweitblüte
in der frühbyzantinischen Periode. Diese hat indes eine Auflösung
des zentralisierenden riesigen Siedlungsgebildes und die Verteilung
der Aktivitäten auf mehrere Kerne zur Voraussetzung. Unter
diesen gewinnt bald das einstige Iolkos wieder den Vorrang, dies
endgültig mit der Aufgabe der alten Stadtlage von D. im frühen
6. Jh. n. Chr. und dem Ausbau von I. als byzantinische Festung
Dimitriada. Eine erneute Zellteilung vollzieht sich, unter dem
Sammelnamen Golo, in osmanischer Zeit, bis die Anlage der regelmäßigen
modernen Stadt Volo, im 19. Jh., zyklisch das 'Demetrias-Stadium'
zurückruft.
Antiker Städtebau und Architektur in
Thessalien: ebenda 11, 255 ff. (mit komment. Bibliogr.)
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Die große Region Thessalien, von der zeitgenössischen
Historiographie wie von der modernen Altertumskunde eher unvollständig
behandelt, hat dank ihrer Verkehrsbedeutung und ihrer wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit in der altgriechischen Geschichte (und Mythologie)
gleichwohl stets eine wichtige Rolle gespielt.
Es ist durch die Archäologie eine dichte Fülle von Zeugnissen
des Siedlungswesens v.a. der frühesten Zeiten erschlossen. Indessen
trennt eine weitreichende Befundlücke die frühen Strukturen
- zu welchen hier auch noch die der Älteren Eisenzeit zu zählen
sind - von denen der entwickelten Antike, obwohl die Überlieferung
für die 'archaischen' und 'klassischen' Perioden ein flächendeckendes
Netz kleiner und mittlerer Stadtstaaten sowie etliche Heiligtümer
von überlokalem Rang andeutet; die eindrucksvolle Soró-Ruine
bei Volo (= Pagasä?) stehe als rares Beispiel für möglicherweise
noch vieles andere, verlorene oder unerforschte.
In welchem Maße dieses Th. provinziell oder aber auf der Höhe
der Zeit war, ist z.Z. also schwer zu bestimmen. Voll und ganz gilt
letztes dagegen für die Region im 4./3.Jh.v.Chr.: der ganz Griechenland
derzeit erfassende Boom des Bau- und Siedlungswesens erscheint in ihr
- gewiß tlw. unter Einflußnahme von außen - nicht
weniger fulminant ausgeprägt als anderwärts und macht sie
spätestens jetzt als Studienfeld besonders interessant.
An der Spitze der Bauleistungen stehen die neuen Befestigungen, darüber
hinaus, hauptsächlich im Küstenland, die integralen städtebaulichen
Schöpfungen 'Ghorítsa' (= Neu-Iolkos?), Halos, Metropolis
und, alle an Umfang übertreffend, Demetrias.
Ab Beginn der römischen Domination scheint sich die Besiedelungsstruktur
abermals gewandelt zu haben, einerseits durch partielle Wiedererschließung
des offenen Landes, andererseits durch den nunmehrigen Vorrang einiger
(aber nicht mehr aller) der traditionellen Zentren, namentlich das reiche
Larissa; der archäologische Befund dieser Periode ist allerdings
- in Gegensatz zu dem der folgenden frühchristlich-spätantiken
- wiederum ein lückenhafter. Kompensiert erscheinen die offenbar
starken strukturellen Wandlungen während des besprochenen knappen
Jahrtausends durch eine überwiegend beharrende Tendenz auf der
konstruktiv-bautechnischen Ebene. Wenn diesbezügliche Innovation
Eingang findet, dann sichtlich nicht so sehr auf dem sakralen, vielmehr
(abgesehen vom Sonderfall der Residenz von Demetrias) auf dem militärischen
und auf dem sepulkralen Sektor. Wie auch immer, die besondere Geschichte
der Region hat, ähnlich wie im benachbarten Makedonien, auch der
Archäologie besondere Bedingungen diktiert; unerwartete neue Aspekte
sind nicht auszuschließen.
Die Flußgrenze, bei: E. Olshausen / H. Sonnabend (Hg.), Stuttgarter
Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums 4, 1990 = Geogr.
Hist. 7 (Amsterd.1994), 347 ff.
Von den Produkten einer an natürliche Elemente gebundenen
Grenzziehung ist die Fl. - da am leichtesten zugänglich und deshalb
auch am einprägsamsten - das bekannteste; klassische, in der Studie
mehrmals angezogene Beispiele bieten der Oberrhein und der Mittlere
Euphrat. Mit Vorzug diente sie größeren politischen Einheiten
mit supranationaler Tendenz zur Markierung, unter bewußtem Rückgriff
auf den Symbolgehalt des Flußlaufes in Mythologie und Kult. Eine
solche Grenzziehung behielt über ihre eigentliche Zeit hinaus den
Wert einer konventionellen Orientierungshilfe, die genauere Betrachtung
siedlungs-, wirtschafts-, kirchengeschichtlicher, auch namenskundlicher
Fakten zeigt indessen, daß in der Praxis meistens ein Zustand
sachbezogener Durchlässigkeit sich (wieder-) eingependelt hat (wie
denn auch der eher naturgewollt erscheinende Gegentyp der Gebirgskammgrenze
selten völlig undurchlässig ist); als ein Exempel wird die
Sprachregelung eines karolingischen Reichsteilungsprojektes mit der
geographischen Wirklichkeit verglichen. In neuerer Zeit sehen wir allerdings
die ausgleichenden Mechanismen der Grenzhandhabung durch Einwirkung
der nationalstaatlichen Ideologien in einer durchaus 'unhistorischen'
Weise blockiert; die Aufgabe einer Rückkehr zu bewährter Rationalität
ist, wenn nicht von unserer, dann aber von der nächsten Generation
zu bewältigen.
Kellenstrich in allen Etagen. Vorstellung eines Glockenturmes,
in: Architectura 24, 1994 = "Das Bauwerk als Quelle". Beiträge zur
Bauforschung, 150 ff.
Der zierlichen, reich ausgestatteten 'Solabasilika' zu
Solnhofen, Kirche einer Dépendance der Abtei Fulda aus dem 9.Jh.,
wurde, im Zuge eines mehrphasigen Umbaus, im 11. Jh. ein Turm vom altertümlichem
Typ des (fast) freistehenden Campanile an die Seite gesetzt. In seiner
formalen Sparsamkeit mit der eigentlichen Kirche kontrastierend, erweist
er sich doch als ein sorgfältig geplantes Bauwerk (und hierbei
als bemerkenswertes Belegstück dekorativer pietra-rasa-Technik).
Seine liturgische Funktion tritt teilweise hinter eine deutliche Defensivfunktion
zurück - ein Aspekt, der noch dadurch an Bedeutung gewinnt, daß
rd. 125 Jahre später die Propstei mit einem weiteren, reinen Wehrturm
verstärkt worden ist. Nimmt man ein oberhalb postiertes wachturmartiges
Bauwerk hinzu, so ergibt sich das Bild eines Wehrklosters, das wohl
in der übergroßen Entfernung vom Mutterkloster seine
Erklärung findet.
Bilder aus dem Heiligen Land. Ein griechischer Wandmalereizyklus
des 5. Jahrhunderts, in: Akten d. XII. Intern. Kongr. f. Christl. Archäol.,
Bonn 1991 = Jahrb. f. Ant. u. Christent., Erg'bd. 20 (Münster 1995),
11, 1024 ff.
Der nach der Stifterin Damokratia benannte frühe
Kirchenbezirk in Demetrias weist nicht nur, größtenteils,
die zeitübliche Ausstattung der Wandflächchen mit gemalten
Scheinarchitekturen 1:1 bzw., an herausgehobenem Ort, mit Mosaiken auf.
Für die obere Zone des Umganges seines Vorhofs ließ sich
eine frei komponierte Abfolge von Darstellungen biblischer - hälftig
alttestamentarischer / hälftig neutestamentarischer Stätten
rekonstruieren. Beigefügte Texte geben präzise Auskunft, tlw.
dies allerdings (nach Chr. Habicht) in einer von der uns geläufigen,
'kanonischen' Überlieferung abweichenden Weise. Ungewöhnlich
ist auch die vermiedene Darstellung aller höheren Lebewesen, unbeschadet
ihrer schriftlichen Nennung, - Hinweis auf eine unbekannte bilderfeindliche
Richtung
im frühen Christentum der Region. Die vorhandenen Architektur-
und Landschaftsszenerien erscheinen verschiedenartigen Vorlagen, v.a.
solchen der hellenistisch-römischen Vedutenmalerei entnommen, worein
sich erste Elemente eines typisch 'mittelalterlichen' Repertoires mischen.
Der Palast von Demetrias, bei: W.Hoepfner/G.Brands (Hg.),
Akten d. Intern. Symp. "Basileia. Die Paläste der hellenistischen
Könige", Berlin 1992 (Mainz 1996), 148 ff.
Von den drei größeren der Nachfolgereiche
des auseinandergefallenen Alexanderimperiums hatte das europäische
seinen traditionellen Mittelpunkt in Makedonien - zu weit entfernt von
der aktiven Teilhabe an der Kontrolle des Ostmittelmeerraumes. Dem hatte
abzuhelfen die Gründung eines Sekundärzentrums in geschützter,
altbewährter Position an der Ägäis-Küste Altgriechenlands,
benannt nach dem Initiator Demetrios (I.) und, neben den herkömmlichen
Institutionen einer griechischen Polis, auch mit einer königlichen
Residenz versehen.
Für die Zeit, in der D. an einer der Schnittstellen der welthistorischen
Auseinandersetzung Rom-Makedonien lag, ist die Überlieferung relativ
gut. Es gelang indessen erst vor wenigen Jahren, diese Residenz als
archäologischen Bestand zu identifizieren - nicht, wie zu erwarten,
am Rande, sondern in der Mitte der Bürgerstadt nur leicht erhöht
gelegen. Zunächst noch ganz im übergeordneten Baublocksystem
eingepaßt, macht sich in Ausbauphasen die Anlage innerhalb desselben
selbständig. Erhalten sind die mächtigen Substruktionen weitläufiger,
gestaffelter Terrassen, und lose oder in folgenden Bauphasen als Spolien
verbaut gibt es eine Fülle von Baugliedern, die in ihrer Qualität
den Palästen des makedonischen Kernlandes gleichkommen. Einigen
reduzierenden Zwischenphasen folgt eine ausgreifende Neuanlage, die
nun weniger reich im Detail, aber als Baugruppe höchst eindrucksvoll
und originell - mit deutlichen ostmittelmeerischen Zügen - ist
und v.a. nun auch fortifikatorische Elemente enthält, in baulichem
Zusammenhang mit einem derzeit aus dem Stadtkörper herausgeschnittenen
zitadellartigen Sektor; hierin spiegelt sich die in den Schriftquellen
angedeutete Krise im Verhältnis von Herrscherhaus und Bürgerschaft,
um 200 v. Chr. Noch vor völliger Fertigstellung zeigt sich das
Ganze entwidmet und nurmehr niederrangig weitergenutzt; eine hier angesiedelte
Gießerei bronzener Großbildwerke hinterließ einen
technologiegeschichtlich wertvollen Befund. Nach der endgültigen
Auflassung nistet sich eine ausgedehnte spätrömerzeitliche
Nekropole auf der Anhöhe ein.
Ein Stück Kleinasien in Europa?, bei: Fr. Blakolmer u.a. (Hg.), "Fremde
Zeiten". Festschr. J. Borchhardt (Wien 1996), II, 105 ff.
Die Großstadt Demetrias am ägäischen
Westufer, im frühen 3. Jh. v. Chr. durch dynastischen Willen mittels
Zusammenlegung mehrerer Altgemeinden geschaffen, pflegte nach der Überlieferung
die hierher übertragenen Kulte der einzelnen Stadtheroen und den
des seinerseits heroisierten königlichen Gründers in einem
gemeinsamen Heiligtum. Nach des letzten in Syrien erfolgtem Tode wurden
zudem seine Reliquien pompös in seine Stadt überführt.
Untersucht wird der infragekommende monumentale Niederschlag dieser
im Siedlungswesen Altgriechenlands neuartigen Konstellation. Im Blickwinkel
ist zum einen ein Bezirk außerhalb der Stadtmauer, dessen erste
Phase von einem isolierten Grabbau von 'östlichem' Habitus und
dessen letzte Phase von einem großen Tumulus in makedonischer
Tradition gekennzeichnet war: die Frage ist, ob hier das - zunächst
als provisorisch gedachte, dann aber definitive - Demetrios-Grab zu
sehen ist. Zum anderen richtet sich der Blick auf eine eigentümliche
mutmaßliche Kultanlage auf zentraler steiler Anhöhe inmitten
des riesigen Stadtgebildes, die, als Ziel einer eigens gebauten Bergstraße,
auf langgezogener künstlicher Terrasse axial ein Monument mit mittiger
Höhlung trug. Die marmorne Ausstattung dieses Bauwerks ist das
Beste, was derzeit in der Region geschaffen wurde, und läßt
sich unmittelbar mit der Produktion jenseits der Ägäis, im
ostionischen Kunstkreis verbinden, wie auch die gesamte Anlage deutliche
Bezüge zum berühmten Maussolleion von Halikarnass und dessen
anatolischen Nachfolgebauten zeigt. Da sie unvollendet, niederrangig
verändert und zudem gründlich ausgeplündert ist, darf
der Vorschlag, die überlieferte Heroen-Kultstätte, vereint
mit dem (endgültigen) Grab des Stadtgründers, hierin zu sehen,
wohl begründet erscheinen, muß aber den sicheren Nachweis
schuldig bleiben. Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf weitere
Elemente von D., die sich in zeitgenössischer Architektur und Städtebau
Anatoliens und der Levante wiederfinden, so das ungewöhnlich groß
dimensionierte allgemeine Bebauungsschema, eine Agora-Anlage vom 'ostionischen'
Typ, die verschiedenen aufeinanderfolgenden Zustände der königlichen
Residenz, in ihren Groß- und Kleinformen. Erklärung all dessen
findet sich wohl in der Aktivität einer Dynastie, die, makedonischen
Ursprunges, diese Stadt zur Basis einer weit in den Osten ausgreifenden
Politik bestimmte.
Der Heiligenberg, bei: E. Mittler (Hg.), "Heidelberg
- Geschichte und Gestalt" (Heidelberg 1996), 38 ff.
Der H. bei Heidelberg ist (wenngleich sein heutiger Name
nicht davon abzuleiten ist) einer der - nicht zahlreichen - 'heiligen
Berge' des Oberrheinraumes: Träger einer endbronzezeitlich-früheisenzeitlichen
befestigten Großsiedlung, eines römerzeitlichen Gipfelheiligtums,
des mutmaßlichen Zentrums eines frühestmittelalterlichen
Königsgut-Bezirkes, samt zugehöriger Sepultur, dann einer
- vom beibehaltenen Torso eines Merkurtempels ausgehenden - Abfolge
von Wallfahrtskirchen und Klöstern als Dépendancen der Reichsabtei
Lorsch (worin die Anlage der Propstei St. Michael, aus dem 11. Jh.,
von besonderer architekturgeschichtlicher Bedeutung ist), schließlich
einer großdimensionierten Ritualstätte des Dritten Reiches;
speziell hinzuweisen ist auf eine hier, rechts des Rheines ungewöhnliche
Kultkontinuität. Stadtverwaltung und Denkmalpflege bemühen
sich seit einigen Jahren, den vernachlässigten Ort in seiner historischen
Aussagekraft wieder zur Geltung zu bringen.
Ravitaillement en Eau d'un Complexe Monastique Montagnard.
Le Cas du Heiligenberg près de Heidelberg, bei: L. Pressouyre /
P. Benoit (Hg.), "L'Hydraulique Monastique" = Renc. à Royaumont
8 (Grâne 1996), 89 ff.
Die spezifischen Wasserversorgungsprobleme des ausgewählten
Komplexes südwestdeutscher Benediktinerklöster sind bedingt
durch die Lage auf steilem, fast isoliertem Berg hoch über der
Oberrhein-Ebene und durch die Besonderheit des örtlich unterlagernden
Gesteines. Archäologisch wurden nachgewiesen: Ausbeutung der einzigen
ganzjährigen Quelle auf dem Berge selbst; Beileitung von Quellwasser
vom rückwärtigen Gebirge mittels gefälletüchtiger
Tonröhren; Speicherung von Tagwasser in Zisternen (einschl. des
bekannten, ev. schon älteren 'Heidenloches'), über welch letzte
auch etliche interessante Einzelelemente Aufschluß geben.
Solnhofen und der Heiligenberg bei Heidelberg, bei: H.R.
Sennhauser (Hg.), Intern. Sympos. "Wohn- und Wirtschaftsbauten frühmittelalterlicher
Klöster", Zurzach / Müstair 1995 = Veröff. d. Inst. f.
Denkmalpfl. an d.
ETH 17 (Zürich 1996), 107 ff.
Die ausgewählten drei 'Propsteien' des Benediktinerordens,
d.h. weit vom Hauptkloster entfernte Dépendancen, die vorwiegend
der Sicherung von Außenbesitz dienen, belegen, daß sowohl
die Genese als die endgültige Ausformung solcher Anlagen deutlich
von den kanonischen Klosteranlagen abweichen kann. Dies umso mehr, wenn
die Einrichtung innerhalb weit zurückreichender Zusammenhänge,
möglichst mit einem Vorwiegen gewerblicher Aktivität erfolgt.
So erscheint der Platz zu Solnhofen seit alters durch Eisenverarbeitung
geprägt. Ein erster Kirchenbau erscheint, in 1.H.7.Jh.s. in diesem
Milieu eher akzessorisch, wird aber zum Anfangsglied einer bemerkenswerten
Abfolge von Sakralbauten, deren Abschluß, ab dem 9. Jh., die reich
ausgestattete sog. Solabasilika bildet. Die Folge der übrigen erschlossenen
Bauten des Areales bleibt zunächst handwerklich-profanen Charakters.
Erst im 10. Jh. erscheint der Basilika ein zu monastischem Aufenthalt
geeignetes Gebäude angeschlossen, aus welchem sich dann, nur nach
und nach und unter zahlreichen Veränderungen, bis zum Spätmittelalter
eine allseitige Klausur, mit einem geschlossenen Kreuzgang entwickelt;
von Interesse hierbei einige fortifikatorische Zutaten, die das gefährdete
Ensemble in gewissem Maße wehrhaft machen.
Eisen spielt auch auf dem Heiligenberg eine Rolle, doch schiebt sich
hier ein römerzeitliches Gipfelheiligtum in die siedlungsgeschichtliche
Sequenz. Die Wiederbesiedelung des Hauptgipfels, ab dem 6. Jh., bringt
mit sich eine Abfolge von gehobener Profanbebauung, die - zumal auch
die prähistorischen Wälle wieder in Funktion gesetzt werden
- als jeweiliger Sitz eines königlichen Funktionsträgers zu
interpretieren ist (ein Königsgut-Stadium deutet sich auch in Solnhofen
an). Ein inmitten des entstandenen Großgehöftes verbliebener
Tempelrest übernimmt eine sepulkrale Aufgabe und wird her nach
zum Kern einer Serie von echten Kirchenbauten. Eine ebenhier seit 2.H.9.Jh.s
bezeugte klösterliche Niederlassung verändert - wie in Solnhofen
- den Habitus des bisherigen Siedlungsgefüges zunächst nicht
entscheidend. Um 1025 löst die formelle Propsteigründung eine
großartige Neugestaltung aus, welche dann freilich nur mit Unterbrechungen
und Kompromissen realisiert wird. Hauptleistung ist eine synaxial im
Osten der Kirche angeordnete machtvolle Dreiflügelklausur, deren
Grundschema durch mehrere, zerstörungsbedingte Erneuerungen sowie
einen Bauherrenwechsel hindurch beibehalten bleibt; auch hier tritt
ein Kreuzgang erst verhältnismäßig spät hinzu.
Im Ausgang des Mittelalters hat die zuvor streng geordnete Anlage durch
vielerlei Zutaten an Einheit und Übersichtlichkeit verloren und
ähnelt eher einer Wallfahrtsstätte mit Hospizbetrieb, was
sich auch im Kleinfundspektrum niederschlägt; wie in Solnhofen,
erscheint auch hier ein Heiligengrab als belebender Standortfaktor zunehmend
in den Vordergrund geschoben.
Kein unmittelbarer Vorgänger ist bis jetzt für die zweite
Propsteigründung des Heiligenberges, um 1100 auf dem Vorderen Gipfel
nachgewiesen. Die vorhandene Klausur ist vielleicht nicht die ursprüngliche,
ist jedenfalls ihrerseits nur schrittweise und im Zuge von Erneuerungen
zusammengewachsen; der Endzustand deutet eine ähnliche halbprofane
Verfassung wie im oberen Kloster an.
Die benediktinischen Bergklöster auf dem Heiligenberg
bei Heidelberg, in: Beitr. z. Mittelalterarchäol. in Österr.
12, 1996, 129 ff.
Kloster-Berge sind im Oberrheinraum verhältnismäßig
selten und deshalb von besonderem Interesse. Die 3 bedeutendsten Plätze
dieser Art haben alle eine reichhaltige Vorgeschichte. Im Falle des
H. erfolgten die kirchlichen Gründungen innerhalb einer prähistorischen
befestigten Großsiedlung und als Nachfolgerinnen (mindestens)
eines römerzeitlichen Heiligtums. Der Nachweis nicht nur einer
kultischen Sukzession Merkur-Michael, sondern auch einer fast unmittelbaren
baulichen Kontinuität ist hier, rechtsrheinisch, bemerkenswert.
Letzte ist bewirkt durch die Übernahme eines antiken Tempeltorsos
zunächst in den Zusammenhang einer - im Schutze der erneuerten
Ringwälle entwickelten - profanen Bautengruppe (vermutlich des
Zentrums eines Königsgutsbezirkes), worin derselbe zum Pol der
zugehörigen Begräbnisstätte aufrückt, danach in
eine Abfolge von Kirchenbauten des 9./10. Jh.s, die zwar als Ableger
der 35 km entfernten Reichsabtei Lorsch ausgewiesen sind, den bisherigen
Charakter des Platzes (einschl. der Sepulkralfunktion) aber nicht entscheidend
verändern. Eine anfangs radikale, dann behutsamere Neuordnung läßt,
mit formalen Beziehungen zu Limburg an d. H. und Speyer I, im 11.Jh.
eine ebenso singuläre wie eindrucksvolle neue Baugruppe entstehen,
mit Sepultur-Vorhof, mittiger Zwei-Krypten-Kirche und östlich anschließender
großdimensionierter Dreiflügelklausur. Durch mehrere, kleinere
und größere Schadensereignisse und folgende Wiederaufbauten,
auch einen Wechsel von OSB zu OPraem hindurch bleibt dies Schema im
wesentlichen beibehalten. Erst gegen 1500 verunklärt sich das Bild
durch zahlreiche Veränderungen und Zutaten, welche dem Ensemble
zwar seinen vorwiegend monastischen Charakter nehmen, aber bestimmte
halbprofane Aktivitäten (z.B. Wallfahrtsbetrieb?) anzeigen, die
bis in die Reformationszeit anhalten; ab rd. 1600 schwindet der Baubestand
rapide. Ein ähnlicher Ablauf deutet sich an für die bescheidenere
zweite Propsteigründung, SS. Stephan u. Laurentius.. Deren Kirche
folgt einem für ihre Bauzeit, um 1100, auffallend altertümlichen
Typ, die Frage unbekannter hiesiger Vorgängerbauten ist indes noch
nicht von der Archäologie beantwortet. |