Forschungen zur Urgeschichte im Paltental/Österreich

Gesamtprojektleitung: Univ.- Doz. Dipl.- Ing. Dr. Hubert Preßlinger
Leitung Montanarchäometrie: Univ.- Prof. Dipl.- Ing. Dr. Georg Walach
Leitung Bergbauarchäologie: Prof. Dr. Clemens Eibner
Leitung Archäometallurgie: Univ.- Doz. Dipl.-Ing. Dr. Hubert Preßlinger
Stichworte: Montanarchäometrie, Bergbauarchäologie, Archäometallurgie


Kurzfassung

In Österreich treten entlang der Grauwackenzone zahlreiche kleine Kupfererzausbisse auf, die in der Bronzezeit bergmännisch abgebaut wurden. Die Kupfererze wurden aufbereitet, geröstet und im Schachtofen verhüttet. Derzeit sind im Gebiet der Steiermark etwa 60 solcher bronzezeitlicher Verhüttungsanlagen bekannt.

Um die bergbauarchäologischen Grabungen gezielt und kostengünstig durchzuführen werden die Verhüttungsplätze durch eine geophysikalische Prospektion erkundet. Mit den dabei gewonnenen Plänen werden, mit klar vorgegebenen metallurgischen Zielen, die bergbauarchäologischen Grabungen durchgeführt.

Der für eine bronzezeitliche Kupferhütte ausgewählte Platz wurde von den Metallurgen über mehrere Jahre genutzt. Die metallurgischen Anlagen, Röstbett und Schachtöfen, wurden von den Ofenbauern mehrmals zugestellt bzw. neu gebaut. Dabei wurde die aus dem Schmelzprozess stammende Laufschlacke als Baumaterial ( = Sekundärrohstoff ) vielfältig verwendet.

Der Boden des Röstbettes wurde aus Lehm gestampft. Als Magerung im Lehmboden haben die bronzezeitlichen Anlagenbauer stückige Laufschlacke verwendet.

Die Schachtöfen für die Schwarzkupfererzeugung wurden am Verhüttungsplatz, Versunkene Kirche, in einer Schalenbauweise aufgezogen. Dazu wurden behauene Steine, meist aus Grünschiefer, vereinzelt auch aus Bösensteingneis, mit einem Lehmmörtel als Schale gesetzt. Für die Hinterfüllung benutzten die bronzezeitlichen Ofenbauer bevorzugt die Laufschlacken, aber auch alte Ofensteine, Keramikstücke usw...

Die Untersuchungen wurden im Rahmen des Projektes, Erforschung der Ur- und Frühgeschichte der Steiermark am Beispiel Paltental, durchgeführt und vom Land Steiermark und der Stadtgemeinde Trieben finanziell unterstützt.

Montanarchäometrie - Ergebnisse

Die Arbeitsgruppe "feldorientierte Montanarchäometrie" der Montanuniversität Leoben befaßt sich im Rahmen der Erforschung der urgeschichtlichen Kupfergewinnung in der Grauwackenzone der Ostalpen mit der Prospektion und nicht invasiven Bewertung georteter Bodendenkmale. In einem auf den alpinen Landschaftscharakter abgestimmten, formalisierten Erkundungssystem kommen aufbauend auf konventionelle Suchtechniken (Begehung,Fundaufsammlung, Fotodokumentation), geophysikalische (Geomagnetik, Geoelektrik, Elektromagnetik), gesteinsphysikalische und geodätische Methoden zur Anwendung. Auf Basis der gesammelten Prospektionsergebnisse werden die georteten Objekte einer vergleichenden Bewertung unterzogen. Damit können neben der Ortsbestimmung auch weiterführende Fragen nach Anzahl, Art, Dimension und Erhaltungszustand beantwortet werden. Die Methodik ist durch eine große Zahl von Anwendungen mit mehreren erfolgreichen Ausgrabungen im Gebiet Paltental / Eisenerzer Alpen verifiziert und bildet eine flächendeckende Informationsbasis zum Nutzen von Archäologie, Landschaftspflege und Denkmalschutz.

Anomalien-Modell
Abb. 1 Verhüttungsplatz Versunkene Kirche, geomagnetischer Isanomalenplan auf Geländemodell Röstbett - Schmelzofenanomalie (links) und Schlackenhaldenkomplex (rechts)


Bergbauarchäologische Ergebnisse

In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts war es das Ziel der bergbauarchäologischen Grabungen im Paltental die Bauform der Verhüttungsanlagen zu rekonstruieren. Die montanarchäometrischen Untersuchungsergebnisse benutzend konnten an mehreren Verhüttungsplätzen im Palten/Liesingtal ( Versunkene Kirche/Gemeinde Trieben, Oberschwärzen/Gemeinde Gaishorn, Frauenbachmündung/Gemeinde Mautern ) Röstbette und Schachtöfen freigelegt werden. Die bergbauarchäologischen Ergebnisse zeigen nicht nur verblüffende Ähnlichkeiten, sondern sogar Identitäten mit den Grabungsergebnissen aus der Gemeinde Johnsbach und der Gemeinde Mitterberg am Hochkönig. Sie ermöglichen es, klare Aussagen bezüglich der Bauform der bronzezeitlichen Verhüttungsanlagen zu treffen.

Anordnungsschema
Abb. 2 Schema der Anordnung der bronzezeitlichen metallurgischen Aggregate, gezeichnet nach montanarchäologischen Grabungsergebnissen

Die Verhüttung der Kupfererze erfolgte in der Bronzezeit in Schmelzhütten, die in den Ostalpen nach einheitlichen Bauplänen errichtet worden waren. Die Bauausführung lässt sich folgendermaßen charakterisieren:

  • Zuerst wurden durch das Anlegen von Terrassen in den Hang Arbeitspodien geschaffen, die mit gestampftem Lehm planiert waren.
  • Auf dem am höchsten gelegenen Arbeitspodium wurde, durch eine Steinsetzung umfasst, das Röstbett aufgebaut, wobei eine nach ihrer Funktion noch nicht eindeutig geklärte Unterteilung in mehrere Segmente üblich war.
  • Neben dem Rösten erfolgte auf dem oberen Arbeitspodium auch die diskontinuierliche Beschickung der Schachtöfen mit geröstetem Erz, gerösteten Zuschlägen und Holzkohle.
  • Entsprechend dem Materialfluss wurden auf der tieferliegenden Terrasse die Schachtöfen in die Geländestufe hineingesetzt. Als kleinste Einheit wurden mindestens zwei Schachöfen errichtet.
  • Auf dem unteren Arbeitspodium wurde neben dem Abstechen der flüssigen Schlacke und dem Ziehen des festen Schwarzkupferkuchens aus dem Schachtofen auch der Wind eingeblasen. Die Windzufuhr erfolgte von vorne durch Düsen mit Hilfe von Blasebälgen.
  • Die abgestochene Schlacke ( Laufschlacke ) wurde nach dem Erstarren gebrochen und hangabwärts auf Halde geworfen bzw. als Sekundärrohstoff wiederverwertet.

Die einheitliche Bauweise der bronzezeitlichen Kupferhütten in den Ostalpen führt zu dem Schluss, dass die Kupfererzeugung überregional nach identischem Muster bewerkstelligt wurde. Diese Aussage wird insbesondere durch die Feststellung bekräftigt, dass sämtliche Betreiber der Schmelzhütten ein einheitlich hohes metallurgisches Können besessen haben müssen, wozu eine solide Ausbildung erforderlich war.


Archäometallurgische Ergebnisse

Ziel der bergbauarchäologischen Grabungen in den Jahren 1999 und 2000 war die Probennahme für die wissenschaftliche Bearbeitung der in der Bronzezeit eingesetzten Feuerfestmaterialien zum Bau der metallurgischen Anlagen.

Röstbett
Abb. 3 Ansicht des freigelegten Röstbettes, Verhüttungsplatz Versunkene Kirche, Gemeinde Trieben, Österreich


Als kleinste Anlagenkonzeption sind ein Röstbett und zwei Schachtöfen anzugeben, die in zwei übereinander liegende Arbeitspodien gesetzt wurden. Der für die Kupferhütte ausgewählte Platz wurde von den Metallurgen längerfristig genutzt. Die metallurgischen Anlagen wurden von den Ofenbauern mehrmals zugestellt bzw. neu gebaut.

Der Boden des Röstbettes wurde aus Lehm gestampft. Als Magerung im Lehmboden haben die bronzezeitlichen Anlagenbauer stückige Laufschlacke verwendet. Die Begrenzung der Röstbette erfolgte mit behauenen Bösensteingneisen. Das Gewicht der einzelnen Steine betrug ca. 21 kg.

Schachtöfen
Abb. 4 Ansicht der freigelegten Schachtöfen, Verhüttungsplatz Versunkene Kirche, Gemeinde Trieben, Österreich (Bohrlöcher in den verschlackten Ofenwänden sind auf die Probenahme zurückzuführen)

Die Schachtöfen für die Schwarzkupfererzeugung wurden am Verhüttungsplatz, Versunkene Kirche, in einer Schalenbauweise aufgezogen. Dazu wurden behauene Steine, meist aus Grünschiefer, vereinzelt auch aus Bösensteingneis, mit einem Lehmmörtel als Schale gesetzt. Grünschiefer und Bösensteingneise sind am Verhüttungsplatz, Versunkene Kirche, nicht anstehend sondern wurden in den Steinbrüchen abgebaut, behauen und von dort angeliefert. Für die Hinterfüllung benutzten die bronzezeitlichen Ofenbauer bevorzugt die Laufschlacken, aber auch alte Ofensteine, Keramikstücke usw.. Der Einsatz von Laufschlacken ist auf deren gutes Wärmespeichervermögen zurückzuführen.

Detail Ofenanlage
Abb. 5 Detailaufnahme aus der Ofenanlage, Verhüttungsplatz Versunkene Kirche, Gemeinde Trieben, Österreich, westliche Ofenwand

Eine Probe vom Verhüttungsplatz Versunkene Kirche zeigt eine besondere Verwendung bronzezeitlicher Laufschlackenstücke als Hüttenbaustoff. Bei der genannten Probe handelt es sich um einen Kalkmörtel (= Baukalk). An natürlichen Zuschlägen weist dieser Hüttenbaustoff quarz- und glimmerreiche Körner, glimmerreichen quarzitischen Sandstein sowie Kalzit auf. Synthetische Zuschläge, die vom Verhüttungsprozess herrühren, sind Laufschlacke und Holzkohle.


Wichtigste Literatur

  • Preßlinger, H.; Eibner, C.: Montanwesen und Siedlungen in der Bronzezeit im Paltental ( Österreich ); Der Anschnitt 49 ( 1996 ), Hefte 5 - 6, S. 158 - 165.
  • Walach, G.: Methodik und Beispiele zur geophysikalischen Prospektion urgeschichtlicher Kupfergewinnungsstätten in den Ostalpen; In.: Landesdenkmalamt Baden - Württemberg, Materialhefte zur Archäologie, Band 41, Stuttgart ( 1998 ), S. 93 - 98.
  • Preßlinger, H.; Walach,G.; Eibner, C.; Prochaska, W. Montanarchäologische Untersuchungsergebnisse eines urnenfelderzeitlichen Kupfererzverhüttungs-platzes bei Mautern/Steiermark; BHM 137 ( 1992 ), Heft 1, S. 31 - 37.
  • Preßlinger, H.; Eibner, C.; Harmuth, H.; Leth, I.: Baustoffe, Feuerfestmaterialien und Keramiken im bronzezeitlichen Hüttenbetrieb; BHM 145 ( 2000 ), Heft 9, S. 368 - 376.
  • Preßlinger, H.; Harmuth, H.; Prochaska, W.; Eibner, C.: Metallurgische Schlacken - ein Sekundärrohstoff in der Bronzezeit; BHM 146 ( 2001 ), Heft 5, S.222 - 226.

 

Artikel  zum Downloaden:

  • Hubert Preßlinger, Trieben; Clemens Eibner, Heidelberg; Barbara Preßlinger, Trieben und Georg Karl Walach; Leoben, Montanarchäologie in der Obersteiermark - archäologische Belege der bronzezeitlichen Kupfererzverhüttung im Paltental. (Download)

Kontakt:

Univ.- Doz. Dipl.- Ing. Dr. Hubert Preßlinger; Kontakt / EMail
Univ.- Prof. Dipl.- Ing. Dr. Georg Walach; Kontakt / EMail
Prof. Dr. Clemens Eibner; Kontakt / EMail

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 14.05.2012
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